Das Pferd und der Mensch

Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd fasziniert seit Jahrtausenden. Zuerst war das Pferd Jagdbeute, dann geschätztes Transport- und Arbeitstier, es zog mit dem Menschen in Schlachten und half neue Ländereien zu erobern. die bedeutenden Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft wären ohne Pferde undenkbar gewesen.

Pferde prägten die Architektur der Städte bis in die Grundrisse der Häusser. Stallungen für Kutsch-, Arbeits- und Reitpferde befanden sich in Hinterhöfen. Allgegenwärtig war der Pfedemist auf den Strassen. Dieser war zugleich eine Grundlage für die intensive innerstädtische Gemüsekultur. Heute begleitet das Pferd den Menschen vor allem als Freizeit- und Sportpartner.

 

Das Pferd ermöglicht Erfahrungen mit uns selber und mit der Natur, die das Leben bereichern. Viele Menschen finden beim Reiten ein Naturerlebnis und Entspannung im Alltag, können etwas Besonderes und Schönes erleben. Das Pferd bringt einen zusätzlichen Halt, einen eigenen Höhepunkt, einen Sinn, einen Ausgleich zum Alltag. Das Pferd hilft beim Erwachsenwerden, eine selbstständige Persönlichkeit zu entwickeln und eigenständig zu werden. Das Pferd ist vor allem Kindern ein geliebter unersetzbarer Partner, der Sicherheit, Geborgenheit und Trost vermittelt.

Von Natur aus sind Pferde sensible, sozial orientierte Tiere, die mit anderen Lebewesen auskommen möchten und Bindungen eingehen. Grundsätzlich ist das Pferd das Spiegelbild des Menschen. Ist der Mensch nervös, wird das Pferd entsprechend reagieren. Ist er ruhig und weiss ganz genau, was er will, geht das Pferd mit ihm durch dick und dünn.

Gerade solche Eigenschaften verhelfen dem Menschen, sich selber zu erkennen und sich über sich selber bewusst zu werden.

 

Zirka im Jahre 1960 begannen Pädagogen und Psychologen, das Reiten bei Kindern mit unterschiedlichen Problemverhalten einzusetzten.

Eine wichtige Person ist Marianne Gäng, Gründerin der Schweizerischen Gruppe Therapeutisches Reiten. Sie vermittelt heute noch Therapeuten und Pädagogen das Wissen über die Arbeit mit den Pferden und Menschen. Somit lernte auch ich von ihr, die heilsame Wirkung der Mensch-Tier-Beziehung beim therapeutschen Reiten einzusetzen. Dabei steht nicht die reitsportliche Ausbildung, sondern die individuelle Förderung über das Pferd im Vordergrund. 

 

Kinder haben aus einem menschlichen Bedürfnis heraus eine natürliche Zuneigung zu Tieren. Sie suchen den Kontakt mit dem Tier, wollen es lieben und geliebt werden. Tiere - insbesondere Haustiere - schaffen ein ungezwungenes und lebensfrohes Klima, von dem sich Kinder ansprechen lassen. Sie finden zu ihnen oft leichter Zugang als zu den Menschen. Durch die Tierhaltung und den Umgang mit Tieren kann die Persönlichkeitsbildung gefördert und die Kontaktaufnahme zu den Mitmenschen und zur Umgebung erleichtert werden. Pferde eignen sich besonders dazu, weil sie vielfätlige Möglichkeiten anbieten: Sie lassen sich beobachten, pflegen, füttern, misten, reiten und sie sind immer bereit. Das alles macht sie besonders begehrt und liebenswert.

 

Pferd haben ein feines Gespür für Stimme und Stimmung. Sie zeigen Angst, Ungeduld, Unruhe oder reagieren auf falsche Behandlung mit Flucht. Dadurch fordern sie das Kind zum Handeln, zum Reagieren auf. Pferde lassen sich umwerben. Somit ist das Erlebnis der Zuneigung umso stärker, wenn das Pferd auf das Kind zu kommt. Das Kind wird zu aktivem Beobachten und Sich-Einfühlen genötigt. Pfede reagieren artgerecht. Sie können sich nicht verstellen. Pferde reagieren nicht menschlich: sie rächen sich nicht, sie strafen nicht.

 

Die Motivation für ein Kind sich auf ein Pferd einzulassen, ist dieMöglichkeit des Reitens selbst. Sich fortbewegen und tragen lassen. Das Kind kann sich über seinen Körper mitteilen und die oft abgelehnte menschliche Sprache fällt weg. Körperliches und seelisches Fühlen und Empfinden wird wach.

Die Motivation durch den Umgang mit etwas ästhetisch Schönem- und ein Pferd ist etwas Schönes- mag mit dazu beitragen, sich selber schöner zu erleben und  von den eigenen Mängeln weniger belastet zu sein.

 

Das Pferd wird zum echten Partner. Sein Körperrhythmus überträgt sich auf den Reiter. Die Bewegungen und die Wärme des Pferdeleibes sprechen wohltuend auf direktem Weg den Gefühlsbereich an. Man kann nicht passiv reiten und nimmt seinen Körper durch die Bewegungen aktiv wahr. Das Gleichgewichtsempfinden wird gefördert und Verkrampfungen seelischer wie auch körperlicher Art können sich lösen.